wär dies mein Ärger, ich wär stolz auf mich. wär es mein blick, endlich wär ich zufrieden. wär ich: mit mir. wär ich endlich einmal: zufrieden mit mir. kostbarer, kluger, widerständiger Ärger. Selbstachtung, die er ist. dass ich mich schlecht nicht behandeln ließe. dass ich anderes, besseres, mehr, dass ich ein gutes Leben verdiente. dass ich ein recht darauf hätte, angesprochen: zu Sein auf Augenhöhe. dass ich es hätte, während jeder minute dieses Lebens – ob am boden, ob hilflos, ob voller erfolg. dass niemals, was auch immer geschähe, mir dieses recht abhanden: käme, und dass niemand, wer auch immer käme, es in abrede zu stellen sich wagen brauchte. goldwert dieser dein Ärger in all seiner widerständigen Intelligenz. dass du ihn dir, wünsch ich mir, dass du ihn dir: und mir bewahren mögest. hegen und pflegen mögest. dich seiner nie schämen mögest, wünsche ich mir und gelobe: ich werde deinen stillen, klaren, klugen Ärger nicht vergessen. wie er mich ansieht. wie er mir spricht von meinem rücken, von der gebeugten säule mittig darin. von meinem kuschen im wohlstand. von meinem schweigen in sicherheit. von meiner angst in der Freiheit. und werde, auch das verspreche ich mir, mich üben und üben und immer ärger üben in Ärger.

 

[ohne Titel © Sudabeh Mohafez]

Nein, ich werde nicht tun, was meine Angst, was meine Abscheu mir befiehlt. Ich werde mich hinsetzen und nachdenken und meine Gefühle beobachten. Erst dann werde ich entscheiden, was ich tun, was ich sagen werde. Und erst dann werde ich entscheiden, was ich weder tun, noch sagen werde.

Es sind seine hohen Wangenknochen und sein jungenhaftes, schüchternes Lächeln, die ich sehe, wenn ich Dich betrachte. Es ist die Narbe auf Deinem Gesicht, die er auch trug – an der Stirn. Und auch ich trage sie: am Arm und am Hals. Sandmückenstiche, die Blasen werfen, die brennen und schmerzen und große, hässliche Narben hinterlassen. Orient-Beulen nennen die Ärzte sie.

Er war selbst noch kein Mann. Ich war ein Kind. Er war selbst verloren. Ich war schutzlos. Jahre später kam er noch einmal zu Besuch. Hackenschlagend, denn er war beim Militär gewesen inzwischen. Hackenschlagend und sich zackig verbeugend vor meinem Vater, der mit derlei Gesten nichts anzufangen wusste, der amüsiert nickte und ihn aufforderte, sich doch zu setzen und einen Tee zu trinken. Oder zöge er einen Wodka vor?

Ich entsinne mich daran, wie mir schlecht wurde bei seinem Anblick. Wie die Wut mich beinahe zerriss. Wie ich sie nur bändigen konnte, indem ich Migräne bekam. Wie ich an der Wortlosigkeit beinahe erstickte. Wie ich ihn verächtlich ansah, während er da saß. Arm, wie er war. Einem Leben ausgeliefert, in dem er weder Schreiben noch Lesen hatte lernen dürfen, in dem er sich zu ducken hatte vor den Mächtigen. Wie er da saß. Unschuldig in all seiner Schuld. Ein Opfer. Ein Täter. Wie ich schier verrückt wurde am Doppelspiel der Wahrheiten in meinem Kopf.

Nein, ich werde dich nicht hassen, nur weil deine Wangenknochen und die Narbe in deinem Gesicht mich an ihn erinnern. Ich werde dir begegnen im Bewusstsein dessen, dass auch ich aussehe, wie irgendeine Andere. Vielleicht wie eine, die eine Täterin war. Vielleicht wie eine, die eine Täterin ist. Jedenfalls wie eine, die ich nicht kenne. Ich werde mich hinsetzen und zuhören und erzählen und erfahren, ob du zuhören kannst, und erfahren, was du zu berichten hast. Und dann werde ich entscheiden, ob du ein Freund bist oder einer, der jenseits meiner Grenzen zu bleiben hat.

 

[ohne Titel © Sudabeh Mohafez]

Observer’s Key Words

Avoid eye contact – Note hairstyle – Move lips – Touch skin – Check clean nails & hands 

 

Anthropological Notes

The human hand is an organ of the mind: it is through prehensive exploration that we achieve any comprehension of space. Like brain expansion, it evolved from bipedalism. When hand’s precision grip and repetition sequences in tool-making connected to imitative mirror-neural circuits, hominins ex-apted a sequence of grammar, syntax, mentalese and spoken language. Human language has been exported to Planet Earth by migrants from Africa since 100,000 years ago.

 

Vocal Selfie

Hope is the last to die. And then it dies. I have the innocence of the dead: they don’t care to be observed. Pains are personal goods: whoever has too many goods becomes an object. Objects are to be manipulated. By hands. My hands keep my head, now as they did when the First Migration from Africa brought to the world technology, cognition, art and spoken language.  Since then we are all clever African human beings, banana-eating apes no more. So it’s written in your books. Read them. Boko Haram, books forbidden, even here?

I’m older than the alphabet. And more difficult. Do you think I’ve lost everything? No: I’ve got my ancestors. They used their hands to tend cattle and work the hoe over thin soil, with delicacy not to waste it to the wind. They moved me over the bush and the desert, they swam me across the sea, pushing my arms for future generations. I keep my ancestors in my hands and my head becomes thus a reliquary.

Togetherness in touch: hands are not fingerprints. So please officer: un-cuff them.

 

© Alberto Salza

Human Terrain Analyst

Observer’s Key Words

Avoid eye contact –  Mind inquisitiveness & aggression – Smile –Define comfort zone – Shave Chin 

 

Anthropological notes

The chin, an anatomical characteristic peculiar to modern humans, is not tied to mechanical forces, including chewing. Chin evolution may be related to energy economy after reduced dentition, speech adaptation to provide more space to the tongue, sexual epigamic selection. It is likely, given facial attractiveness research, that males and females use chin shape as a visual marker of sexual identity.

 

Vocal Selfie

Maybe we are brothers and sisters. Everybody says that, but it’s a social-network-post truth. I don’t need to be your brother, I want to be your friend. Brothers can’t be chosen, friends yes. You choose friends for their qualities, and keep them for their defects. To become your friend is a dream and, as we say, ‘The hungry dream of bread, the rich dream of dreams’.

Don’t fence me in. And don’t fence me out. No way you can do it: I negotiated mine fields and city ruins, climbed all sorts of walls, avoided traps, crushed window glass under my boots with the rumour of modern war. I’ve got five cardinal points: west, north, east, south and centre. Therefore, the horizon moves with me and the last shall be last. If somebody dies on the road, wash the bones, bring the body, leave the heart behind.

To me citizenship, always a duty and never a right, is lethal. I am the navigator of no-man’s-lands and the transgressor of States, a liquid person. And now I’ve miles to go. Bye.

 

 

© Alberto Salza

Human Terrain Analyst