Fotoschau von Marco Pejrolo

Mit Originaltexten von Sudabeh Mohafez und Alberto Salza sowie  Originalsongs von Antun Opic 

 

Gasteig - München

24. Januar – 13. Februar 2017

Eine Sammlung von mehr als 50 Flüchtlingsportraits des italienischen Fotografen Marco Pejrolo. 

Zu sehen vom 24. Januar bis zum 13. Februar im Münchner GASTEIG.    

Das Projekt schlägt eine Brücke zwischen den portraitierten Personen und den Besuchern. Dank der Kraft der Fotografie wird möglich, was im täglichen Leben unmöglich erscheint. Unser hektischer Lebensrhythmus voller Ablenkungen lässt uns keine Zeit mehr für einen tiefen und fruchtbaren visuellen Kontakt. Während wir schauen, sind wir unfähig zuzuhören. 

Ganz einfach.

 

Marco Pejrolo sagt: 

„Die Welt ist lebendig, weshalb sie sich in einem stetigen Wandel befindet. Pausenlos. Und wir mit ihr zusammen. Heute ist eine für uns unbekannte Welt bis zu unserer Türschwelle vorgedrungen. Kraft und Mut haben sie aus Schmerz und aus unsäglichen Leiden geschöpft.   

Sie sind bis zu uns gekommen und haben – ohne es zu wollen – alles hinter sich gelassen, was ihnen bekannt, vertraut und lieb war, um sich in unfreiwillige Erkunder unserer Welt zu verwandeln.      

Hier nennt man sie „Flüchtlinge“. 

Zuflucht Suchende - würde ich meinen - auf der Suche nach Schutz.     

Sie klopfen an meine Augenlider. Ich habe mich entschieden, sie aufzuschlagen.“

So hat das Auge des italienischen Fotografen gesucht, getroffen, zugehört und beobachtet;  seine Seele hat Anteil genommen, hat sich  zahm der Berührung mit der Wirklichkeit gefügt und ist  davon „geprägt“ worden. 

Es ist das Licht, das die Schnappschüsse modelliert, aber noch vor dem Film oder dem Sensor  seiner Fotokamera hat die Wirklichkeit einen anderen Film belichtet: das Bewusstsein von Marco Pejrolo.    

 

Pejrolo fügt hinzu:             

“So habe ich mich selbst gefragt, welche Aufgabe sich die Fotografie stelle angesichts dessen, was rund um uns geschieht. Heute, in Deutschland, wo ich lebe. Dokumentieren? Bezeugen? Anklagen? Ich habe mich gefragt: In wieweit kann man jenes Mitgefühl, das die Hand des Fotografen lenkt, der die Wirklichkeit abbildet, übertragen? Kann man den Betrachter einladen, sich daran zu beteiligen, sich in ein aktives Subjekt zu verwandeln? Das Bild allein genügte nicht.  

Die Fotografie sollte zum Spiegel werden. 

Im Zuge des  Widerspiegelungsprozesses  wird das Subjekt zum Objekt. Es betrachtet, beobachtet, erkennt, identifiziert, offenbart sich. Wenn man dann länger vor dem Spiegel verweilt, kann es passieren, dass das Subjekt  nicht nur sich selbst reflektiert (widerspiegelt) , sondern beginnt selbst zu reflektieren (nachzudenken): Nämlich Gedanken, Emotionen, Gefühle zu erahnen.   

Und wenn die Fläche, vor der wir uns selbst betrachten, kein Spiegel wäre, sondern ein Foto, das das Gesicht eines anderen abbildet? Von einem jener Unbekannten, die ihr Leben bis hierher „mitgezerrt“ haben, indem sie aus Krieg und Zerstörung geflohen sind?  Wären wir dann noch imstande, ein Stück von uns in jenem Bild zu erkennen? Etwas von unserer Vergangenheit? Etwas von unserer Identität? Einen gemeinsamen Wesenszug, der es uns gestatten würde, Gedanken, Emotionen, Gefühle zu erahnen?  

Die Augen der Personen werden ihrerseits zu Spiegeln, in denen sich das Leben, die Seele reflektiert. Aufgeschlagene, lächelnde, edle, ernsthafte, verborgene, unschuldige, verschlossene, misstrauische Augen, in denen man einen Funken der Existenz erblickt.”

 

Die Fotoausstellung Spiegel der Seele ist ein Interaktionsversuch zwischen dem Betrachter und den ausgestellten Fotos. In jedem Foto begegnen wir einem Paar Augen. Jeder kann in aller Ruhe wie vor einem Spiegel stehen und in diesen Augen ein Fragment seiner selbst entdecken. Diese Gedanken dürfen wir festhalten indem wir sie aufschreiben. Neben jedem Foto ist dazu Gelegenheit. Daraus wird eine Art Kollektivbuch mit den Eindrücken und Stimmungen entstehen, die das Portrait bei uns Zuschauern ausgelöst hat. 

 

Die Ausstellung wird begleitet von Texten der deutschen Schriftstellerin Sudabeh Mohafez und des italienischen Anthropologen Alberto Salza sowie  von Kompositionen des Liedermachers  Antun Opic. Diese drei Künstler haben sich von einigen Portraits inspirieren lassen und daraufhin geschrieben und komponiert.

Mit  Unterstützung von:

Italienisches Kulturinstitut München